Spielbericht

In Anlehnung an den Spielbericht im „moosblogger“ hier eine Veröffentlichung von „DamS“, der „Dießen am Sonntag“:

Die Blue Bowl in Dießen war bereits 15 Minuten vor Spielbeginn restlos ausverkauft, die Ordner mussten weitere Notsitze für die Zuschauermassen bereit stellen. Vor etwa 200 Fans pfiff der Unparteiische Hans Kessler die Partie ziemlich pünktlich um 20:00 Uhr an. Die zuvor durchgeführte obligatorische Platzwahl gewann der neue Linksaußen Salzmann (CSU). Er stürmte sofort nach vorne und kritisierte die von Spielertrainer Kirsch (DB) ausgegebene Taktik. Zu lange spiele die Mannschaft schon mit „handgezogener Bremse“ (Anm. d. Red.: Danke Sale!). Otto Rehhagel machte diese Taktikvariante mit dem Begriff „kontrollierte Offensive“ weltbekannt. Salzmann forderte vehemment eine attraktivere und offensivere Spielweise, schließlich würde das Publikum schon zu lange mit reinem Ergebnisfussball hingehalten (kein Leitbild, Defizite in den Bereichen Haushalt, Wohnraum und Gewerbe). Schiri Kessler verstand diese Äußerungen wohl so, als ob sich Salzmann als neuer Ribéry der Dießener Elf fühlt und verwarnte ihn sehr früh in der Partie mit der gelben Karte. Diese Entscheidung löste bei den Zuschauern zu Recht Unverständnis aus. Die Fans quittierten die Verwarnung mit einem heftigen Pfeifkonzert. SR Kessler zog aber unbeindruckt seine harte Linie durch (Ich pfeif seit 50 Jahren so und werde mich nicht mehr umstellen).

Spielertrainer Herb Kirsch (DB) konterte den Offensivdrang von Salzi mit Statistiken der vergangenen Jahre und verteidigte seine Spielweise (step by step - safety first). Immerhin ist er seit fast 12 Jahren der Spielertrainer dieser Mannschaft, der eingeschlagene Kurs werde nicht verändert, schließlich spielt man insgesamt im Uefa-Cup, in den Bereichen Schule, Kindergärten und Landschaft sogar in der ChampionsLeague. Trainervorbild von Kirsch könnte der Holländer Huub Stevens sein, auch dessen Motto lautet „die Null muss stehen!“. Beide setzen eher auf sicherheitsorientierten Fussball.

Gunnar Schweizer (BP) hatte während der ganzen Partie Schwierigkeiten mit Geläuf und Spielgerät. Die Pässe seiner Mannschaftskameraden konnte er selten unter Kontrolle bringen. Immer wieder startete er Soli, probierte immer den gleichen Trick und verdribbelte sich immer wieder in der gleichen Ecke des Spielfeldes (Kleinkunstgewerbe bei beiden Themengebieten als Allheilmittel). Bei ihm hatte man des Öfteren den Eindruck, als ob dieses Spiel nur eine lästige Trainingseinheit bzw. ein Testspiel ist, entsprechend unmotiviert wirkte er. Gut – versuchte gleich zu Beginn mit einer Showeinlage (Raisting eingemeinden, dann ist das Thema Gewerbe erledigt) die Lacher auf seine Seite zu ziehen.

Hanni Baur (SPD) lief zu Beginn des Spiels wie gewohnt im halb-linken Mittelfeld auf. Sie blühte im Laufe des Spiels immer mehr auf, erntete für einige Aktionen Szenenapplaus und wurde zur spielbestimmenden Persönlichkeit. In dieser Form auch für die nächsten 6 Jahre ein unverzichtbarer Bestandteil des Teams. Die Trikots werden bereits beflockt – Nr. 10 – Hanninho. Bis auf eine Ausnahme bescheinigten ihr alle anderen Medien Bestnoten.

Peter Fastl (FW) trat gewohnt abgeklärt und souverän auf. Er füllte die Rolle als Spielgestalter vor der Abwehr (modern: die 6er-Position) gut aus, konnte das Spiel gut lesen und versuchte mit einigen guten Pässen (Fakten in Form von Zahlen zu Einnahmen, soz.-vers.-pflichtigen Arbeitnehmern, Gewerbe, etc. mit deren gleichzeitiger Deutung) das Offensivspiel des Teams anzukurbeln.

Franz „Schuse“ Sanktjohanser (oKD) zeigte sich bodenständig und hämmerte in bester Vorstoppermanier das Leder ein ums andere Mal Richtung Tribüne, was beim Publikum aber bestens ankam (Wenn ich vor 12 Jahren gewusst hätte, was heute ist, hätte ich vielleicht das ein oder andere mal anders entschieden!). Von den eigenen Fans wurde Franz bereits als neuer  Beckenbauer gefeiert, war sein Schlusswort doch sinngemäß „gehts naus und schbuids Fusasboi!“ (Keiner der Gemeinderäte bekommt für die Arbeit Geld, jeder arbeitet nach bestem Wissen und Gewissen, also pack mas oh!“).

Volker Bippus (UBV) war am Freitag eher in der Poldi-/Schweini-Rolle, verfolgt vom Sommermärchen. Sein Potenzial ist als Kirchengemeinderat und MTV-Vorstand bekannt, jedoch konnte er dies nur sehr selten abrufen und hatte kaum nennenswerte Szenen.

Michael Hofmann (Grüne) stellte bereits Mitte der ersten Hälfte fest, dass von ihm seit Jahrzehnten geforderte Spielzüge und Standardsituationen nun im Repertoire eines jeden Spielers zu finden sind. Frei nach Ex-Bundestrainer Berti Vogts stellte er fest: „Der Star ist die Mannschaft“ und erntete dafür zu Recht den Applaus des Publikums. Fügte sich nahtlos in das Spiel ein, sollte in Zukunft seine Rolle als Querdenker offensiver ausfüllen.

Zu guter Letzt noch die Bewertung des Schiedsrichters. Allgemein bekannt erhalten die Männer in schwarz gute Noten, wenn man sie während der Spielzeit fast nicht wahrnimmt. In diesem Fall erwischte der Referee leider einen weniger guten Tag, trat teilweise als Selbstdarsteller auf und traf einige fragwürdige Entscheidungen. Aber als MTV-Fussballer weiß man, dass der Hans erst abpfeift, wenn der MTV das Siegtor macht. Der FC Seestall (schon, oder?) kann seit der 2:3 Niederlage vor ca. 10 Jahren (92. Minute: Ausgleich für den MTV – 97. Minute: Siegtreffer für den MTV – sofortiger Abpfiff) ein Lied davon singen. :)

Anm. d. Red.: Wäre schön, wenn sich die Kollegen der anderen Sportredaktionen namentlich zu erkennen geben …

3 Antworten zu „Spielbericht“

  1. BeKie sagt:

    Es ist bekannterweise nicht einfach, Spielberichte objektiv zu verfassen. Ihnen ist dies wahrlich sehr gut gelungen, hier erkennt man auch das tatsächlich so gelaufene Spiel wieder!
    Spielberichte welche gar von Unbekannten abgegeben werden, die zur Verfälschung der Tatsachen sich einer selbst ernannten Ironie bedienen, können getrost ignoriert werden!
    Ihnen Herr Fastl nimmt man ab, das Spiel tatsächlich einigermaßen unparteiisch gesehen zu haben (und das „einigermaßen“ sei Ihnen verziehen und gegönnt, sind Sie doch Teil des ganzen Spielerumfeldes).
    Schöne Grüße, BeKie

  2. Roland Wolloner-Scharfe sagt:

    kurz vor dem mit Spannung erwarteten Ende dieser über lange Momente sich ziehende fast schon olympisch anmutenden, sportlichen Veranstaltung lese ich gerne solch erfrischende und treffende Kommentare zu einem sicher zum Teil mit humoristischem Ansatz geprägten Spiel. Vielleicht noch die eine oder andere emotionale geprägte Szene am Spielfeldrand zwischen Akteuren und Zuschauer hätte dem gewogenen Leser noch mehr das Gefühl vermittelt, mitten dabei gewesen zu sein.

    Super Zappi – Danke
    schöne Grüße
    Roland

  3. Wahlanalyse Teil 8 « obacht! sagt:

    [...] dass sich der Ort weiterentwickelt, aber nicht zu viel Veränderung. Das hat Herr Salzmann bei der Podiumsdiskussion ja kritisiert – “ein bißchen was von allem, aber nicht zu viel” – aber genau so ist Diessen – [...]

Eine Antwort schreiben